Kurz nachdem ich um 05.45 Uhr aufgestanden bin, entdecke ich auf der Wand über dem Bett folgenden Spruch:
„Gönne dich dir selbst! Ich sage nicht: Tu das immer. Aber ich sage: Tu es wieder einmal. Sei wie für alle anderen Menschen auch für dich selbst da!“
Diese Weisheit stammt von einem berühmten Namensvetter von mir, der vor fast tausend Jahren gelebt hat. Was ist das für ein Bernhard? (Die Lösung des heutigen Rätsels findet ihr wie immer am Schluss des heutigen Blogs)
Beim Frühstück in diesem einzigartigen Klosterhotel werde ich Zeuge einer kuriosen Szene: Fünf junge Leute – versprengte Gäste einer Hochzeitsgesellschaft – schleppen sich über den Platz vor der Kirche zum Hotel. Zuerst denke ich, sie spielen Theater; aber nein, sie sind offenbar so betrunken und fertig vom durchzechten Fest, dass sie sich nur noch schleppend fortbewegen können; eine Frau (ist es sogar die Braut?) muss sogar getragen werden, weil sie so nudelfertig ist! Ungläubig betrachte ich die Szene an diesem Sonntagmorgen in aller Herrgottsfrühe.
Um 07.15 steig ich aufs Velo, halte aber sogleich wieder, um eine Foto vom Hotelgebäude zu machen – Architekturfreunde sollen doch auch sehen können, wie beeindruckend dieses Gebäude ist – nicht wahr?

Es ist frisch an diesem herrlichen Morgen, ich trete fest in die Pedalen, um ein bisschen warm zu bekommen. Der Weg geht weiter der friedlich vor sich hinplätschernden Fulda entlang und manchmal auch ein wenig entfernt von ihr. Zum erstenmal schiess ich eine Foto, während ich radle – ein bisschen gefährlich zwar, aber es gelingt mir.

Nach Bad Hersfeld, einer grösseren Stadt, welche ich zur rechten Seite liegenlasse, verlasse ich den Fuldaradweg und biege in ein Seitental ab, in das Haunetal. Dieses ist landschaftlich sehr reizvoll und es führt ebenfalls ein Radweg hindurch.
Nach zügiger Fahrt mache ich nach drei Stunden erstmals richtig Pause in einem Café in Burghaun – dabei blicke ich auf eine schöne barocke Kirche:

Es folgt ein sehr schöner Abschnitt mit toll ausgebauten Radwegen durch naturreservatähnliche Landschaften. Ich mache einen kurzen Halt am Haunestausee.

Wenig später verlasse ich das Haunetal und überquere ein hohe Hügelkuppe – der Weg ist so steil, dass ich das Fahrrad längere Zeit schiebe.
Als ich auf der anderen Seite die Talsohle erreiche, bin ich wieder bei der Fulda (merke das aber erst, als ich im Hotel einen Blick auf die Karte werfe). Noch ca. 10 km fahre ich dieses grüne Tal hoch – ich bin jetzt ziemlich auf den Felgen, das Auf und Ab der letzten 20 Kilometer hat seine Spuren hinterlassen.

Um 15.00 erreiche ich mein Ziel Gersfeld, welches am Oberlauf der Fulda und damit nicht mehr weit von der Quelle diese Flüsschens liegt.
Ein schöner Tag mit wolkenlosem Himmel und Wind aus fast allen Richtungen geht gemütlich im Hotel Gersfelder Hof zu Ende.
Lösung Rätsel: Bernhard de Clairvaux
Der heilige Bernhard von Clairvaux (1090–1153) war ein mittelalterlicher Abt, Kreuzzugsprediger und Mystiker. Er gilt als einer der bedeutendsten Mönche des Zisterzienserordens, für dessen Ausbreitung über ganz Europa er verantwortlich war. (Quelle Wikipedia)
Fakten: Gefahrende Strecke 107 km / aufw. 1130 m, abw. 800 m / Fahrzeit 7 Std. 4 Min.
Übernachtung im Hotel Gersfelder Hof
