Day 14: Holzminden-Kloster Haydau (Zürich-Hamburg-Zürich-Tour)

Nach einem üppigen Frühstück im Hotel Buntrock begleitet mich die Frau für alles (der Chef ist in den Ferien) zum Fahrradraum. Als ich in den Raum sehe, trifft mich fast der Schlag: Mein Fahrrad steht zuhinterst und ist von mind. 20 anderen Fahrrädern komplett zugestellt! Also zuerst Velos umbeigen, bis ich losfahren kann. Dies soll mir eine Lehre sein; heute abend stell ich mein Velo beim Eingang hin…

So fahr ich schliesslich erst um 07.40 Uhr los, das ist ziemlich spät. Deshalb leg ich los wie die Feuerwehr, denn ich möchte doch spätestens um 16.00 am Ziel sein, um das erste Finalspiel der WM nicht zu verpassen.

Doch kaum bin ich 5 Minuten unterwegs, muss ich einen kleinen Fotohalt einlegen – und dieses erste Foto heute mache ich speziell für Bruno, meinen enthusiastischen Chorsänger, der nicht nur gerne singt, sondern auch ein grosser Fan von Wohnmobilferien ist.

IMG_4383

Es ist ein wunderbarer Morgen heute und ich komme gut vorwärts, zuerst meist entlang der Weser, und dann – ein wenig später entlang der Godelsheimer Seenplatte:

IMG_4385

Bei Bad Karlshafen verlasse ich den Weserfahrradweg und biege rechts ab – auf einer Tafel sehe ich, dass ich mich nun im Weser-Bergland befinde, wie zum Beweis geht es nun heftig aufwärts. Wenig später möchte mich Komoot auf einen abenteuerlichen Weg lotsen:

IMG_4386

Ich fahr lieber auf der Strasse, die einen grossen Bogen macht. Der Dame von Komoot passt das nicht und kaum 10 Sekunden später höre ich ihre Stimme: «Du hast ………………………………. . …………………………………. !
(Bitte ergänzen, 1 Aussagesatz und 1 Befehlssatz. Aufmerksame Blogleser sollten die Lösung wissen! Auflösung am Schluss des Blogs)

Wenig später komme ich auf eine Anhöhe mit grossartiger Aussicht – ich frage mich nur, wo sich denn die angekündigten Berge befinden; ich sehe nur kleine Erhebungen, kaum höher als 400 m über Meer….

IMG_4389

Komoot schickt mich an dieser Kreuzung geradeaus und kündigt mal wieder einen Single Trail an: in so schlechtem Englisch, dass ich’s kaum verstehe (Schickt die Dame doch mal in einen Englisch-Kurs). Ausserdem verheisst „Single Trail“ in der Regel nichts Gutes: Für Komoot sind Single-Trails kaum befahrbare Wege. So ist es denn auch, ich fahre im Schritttempo – möchte ja nicht wieder einen Plattfuss einfangen, denn heute hätte ich nicht eine so charmante und kompetente Hilfe wie bei der Tour nach Merseburg!

In der Folge fahre ich durch wunderschöne Landschaften – es gefällt mir hier im Bundesland Hessen.

IMG_4392

In einem kleinen Dorf sehe ich eine kleine Kirche in Riegelbauweise, diese Bauweise ist hier sehr beliebt und erinnert mich ein wenig an Dörfer in der Schweiz (z.B. Stammheim).

IMG_4393

Nach ca. 70 km erreiche ich die Stadt Kassel (über 200’000 Einwohner) – das ist keine schöne Stadt (kein Wunder – sie wurde leider im Krieg fast vollständig zerstört) und ausserdem eine einzige grosse Baustelle in diesem Moment:

IMG_4400

Für das heutige Rätsel verlasse ich wieder einmal die von Komoot vorgeschlagen Route (und höre was? Du hast ………. – Diese zwei Sätze höre ich jeden Tag mindestens 10 Mal!)

Und hier die zwei Protagonisten des heutigen Rätsels – ein berühmtes Brüderpaar:

IMG_4401

Die zwei haben lange in Kassel gewirkt und deshalb hier eine Denkmal erhalten (es ist zwar enttäuschend klein), und auch der Platz an dem diese steht, ist nach diesen Brüdern benannt. Also, wer sind die zwei? Sie haben mit dem gestrigen Rätsel zu tun…

Ich verlasse Kassel und befinde mich nun plötzlich an der Fulda (wo ist denn die Weser geblieben?) Ich freue mich, dass ich nun an diesem Flüsschen entlangfahren darf, werde von Komoot aber bald wieder in eine andere Richtung geführt. Eine Abkürzung? Ich weiss es nicht, befolge aber für einmal wieder die Befehle der Frauenstimme. Es geht wieder happig aufwärts und als Höhepunkt komme ich zu guter letzt auf einen Single Trail (hier eher Double Trail):

IMG_4405

Es ist schön kühl hier im schattigen Wald, so will ich nicht hadern.

Ein kräfteraubendes Auf und Ab folgt, oft auf schlechten Strassen.
Als ich zu bereuen beginne, in Kassel nichts gegessen zu haben, entdecke ich am Wegrand einen wilden Kirschbaum. Da kann ich nicht widerstehen und schlag mir den Bauch voll (na ja, leicht übertrieben bei diesen kleinen, aber süssen Kirschen)

IMG_4409

Irgendwann biege ich endlich wieder auf den Fuldaradweg ein – ich bin erleichtert – dafür kämpfe ich plötzlich gegen starken Gegenwind. Der Wind ist mir heute nicht so freundlich gesinnt wie am Vortag: er hat leicht gedreht und weht von Osten, während ich nach wie vor Richtung Süden fahre. Je nachdem, in welche Richtung ich genau fahre, habe ich nun Seitenwind, Rückenwind oder eben auch Gegenwind. Ich muss mich damit abfinden – nach der gestrigen Spazierfahrt darf es auch wieder ein bisschen härter werden. Man kann nicht immer alles haben – so wie im richtigen Leben auch!

In Melsungen, einem hübschen Städtchen, mache ich einen Halt (Panna Cotta mit frischen Erdbeeren!) und erhole mich ein wenig von den Strapazen.

IMG_4410

Als ich anfange mit dem Ziel zu liebäugeln, endet der Weg plötzlich an der Fulda. Ich hoffe auf eine Fähre, realisiere aber bald, dass eine Seilbahn über den Fluss führt; was für eine Überraschung! Das Dumme ist nur, dass sich die Seilbahnkabine auf der anderen Seite befindet und ich diese mit einer Handkurbel auf meine Seite kurbeln muss. Sieht easy aus, braucht aber ziemlich viel Kraft. Ich kurble und kurble, bis die Kabine endlich auf meiner Seite ist – und kurble und kurble, um nach drüben zu gelangen. Ein Pärchen, das sich inzwischen auf der anderen Seite eingefunden hat, hat Erbarmen mit mir und kurbelt auch mit. So schaffe ich es endlich…

IMG_4415

 

Erst um 17.20 Uhr treffe ich endlich an meinem Ziel ein, dem Kloster Haydau. Was ich hier sehe, ist eine Entschädigung für diesen anstrengenden Tag.

Die Anlage:

IMG_4421

Das Hotel:

IMG_4422

Der Blick von meinem Zimmer:

IMG_4424

Die Abendstimmung beim Blogschreiben:

IMG_4426

Es ist unglaublich schön hier – was für ein Volltreffer!

Die Auflösung der Rätsel:
Komoot: «Du hast die Tour verlassen. Wirf einen Blick auf die Karte!»
Statue: Zeigt die Brüder (oder Gebrüder) Grimm, die nicht nur die uns allen bekannten Märchen aufgeschrieben haben, sondern eben auch «den Rattenfänger von Hameln»

Fakten: Gefahrene Strecke 122 km, 7 Std. 45 Min. / aufw. 1110 m, abw. 1020 m / Fahrzeit 7 Std. 45 Min.
Übernachtung im Hotel Kloster Haydau (sehr empfehlenswert!)

D14

Hinterlasse einen Kommentar