Day 10: Lauenburg-Hamburg / Sightseeing Hamburg (Zürich-Hamburg-Zürich-Tour)

Heute «schlaf ich aus», ich kann es mir leisten, denn Hamburg, mein grosses Ziel, liegt nur noch 40 km entfernt. Um 07.00 trete ich in den schönen Essraum des Hotels Bellevue – ich bin der erste – und nehme zum ersten Mal auf meiner Tour das Frühstück im Hotel ein. Ich geniesse noch einmal die schöne Aussicht auf die Elbe und erfahre vom Gastwirt, dass wir nach Niedersachsen hinüberblicken, wir hier aber in Schleswig-Holstein sind.

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Bald schon sitze ich wieder auf dem Velo und es geht mehr oder weniger der Hauptstrasse entlang Richtung Hamburg. Ich frage mich wieder einmal, wo denn der Elberadweg ist – bin mir aber sicher, dass Komoot mich auf dem schnellsten Weg an mein Ziel schickt. Wieder einmal ist der Himmel grau und es ist ziemlich kühl. Es regnet aber nicht, und das ist die Hauptsache!

Ich bin noch keine 2 Stunden unterwegs, da sehe ich schon das ersehnte Ortsschild von Hamburg: Das muss natürlich fotografiert sein (ich probier’s einige Male, bis es mit dem Selbstauslöser klappt – mein Fahrrad spielt dabei Stativ.)

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Mein Hotel befindet sich aber immer noch über 20 km weiter weg. Ich fahre also durch Vororte Hamburgs und erinnere mich an eine ehemalige Arbeitskollegin aus Hamburch (wie sie sagte), mit der ich einst zuweilen Tennis spielte. Birgit so heisst sie, musste bald wieder nach Hamburg zurück, um ihren Beamtenstatus nicht zu verlieren; vorher verliebte sie sich aber zuerst in die Bücher meines ehemaligen Deutschlehrers (selig) und dann auch in den Autoren selbst, welcher übrigens im gleichen Dorf aufgewachsen wie ich und zu einiger Berühmtheit gelangte (sogar hochgelobt vom sonst so kritischen Marcel Reich-Ranicki) Wer kennt diesen Autoren?

Ich bin ein bisschen abgeschweift – aber das ist das Schöne am Fahrradfahren, man hat unendlich viel Zeit, um nachzudenken und Erinnerungen aufzufrischen – die ständige Sauerstoffzufuhr scheint dabei zu helfen.

Mit solchen Gedanken erreiche ich St. Georg, einen Stadtteil von Hamburg. Dort liegt mein Hotel, welches ich wie immer ein paar Tage im Voraus gebucht habe.

Es heisst «Superbude» und als ich es von weitem erblicke, erschrecke ich ein wenig:

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Ich werde aber sehr herzlich empfangen (was das doch ausmacht!) und, was mich besonders freut, darf ich meine Bude (so heissen hier die Zimmer) schon jetzt um 11.00 beziehen. Als ich meine «Bude betrete», trifft mich fast der Schlag: vor dem Zimmer eine stark befahrene Strasse – die Lastwagen fahren fast durch’s Zimmer. Ob ich da wohl gut schlafen kann?

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Ich zieh mich um, mach noch einen Handwaschgang meiner schmutzigen Wäsche und zieh bald darauf los, Hamburg zu entdecken. Mit der U-Bahn fahre ich vom Berliner Tor an die Station Hafen City/Universität und laufe von dort der Elbe entlang Richtung Elbphilharmonie. Und – ein Wunder ist geschehen – erstmals seit Tagen scheint mal wieder richtig die Sonne!

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Unterwegs mache ich Halt in einem speziellen Lokal, Nissis Kunstkantine, welches Galerie  und Kunstkantine in einem ist:

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Dort komme ich ins Gespräch mit dem Chefkoch. Er heisst Sven – nein, nicht der Schreckliche, aber er hat dessen Postur.

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Er erzählt mir von seinen Zwangsferien in der Schweiz (Sein Mazda 323 am Gotthard liegengeblieben wegen defektem Kühler – hineingeschüttetes Eiklar macht nur alles noch schlimmer, eine Woche auf neuen Kühler gewartet etc. – klingt im Nachhinein lustig, war es aber wohl nicht so!)

Nun aber weiter. Schon von weitem erblickt man das imposante Gebäude der Elbphilharmonie, ich lasse mich von einer Studentin ablichten:

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Beim Näherkommen erkenne ich Kletterer an einer Seite des Gebäudes. Was die hier wohl machen? Wettkampf? Nein, die Lösung ist simpel: Es sind Fensterputzer.

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Ich bin erleichtert, dass es problemlos möglich ist, auf die sogenannte Plaza zu gelangen, eine Plattform in ca. 40 m Höhe. Mit einer futuristisch gewölbten, mind. 100 Meter langen Rolltreppe gelangt man noch oben.

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Oben angekommen bietet sich eine traumhafte Aussicht in alle Richtungen; ich lasse die Bilder sprechen.

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Wie der geneigte Leser vielleicht weiss, gab es diverse Probleme beim Bau dieses unglaublichen Kulturdenkmals, welches von Herzog & De Meuron entworfen und geplant wurde. Schliesslich kostete es über 800 Millionen Euro statt der vorgesehenen 77 Millionen!

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Ich verabschiede mich von der «Elphi» – so wird dieses epochale Bauwerk liebevoll auch genannt.

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… und schlendere an weiteren Sehenswürdigkeiten vorbei: die Speicherstadt, zum Weltkulturerbe erklärt:

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Das Mahnmal St. Nicolai (ehemalige Hauptkirche Hamburgs, während des 2. Weltkriegs durch Bombenangriffe der Allierten zerstört; nur der Turm und ein paar Aussenmauern blieben stehen):

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Die Kirche St. Petri:

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Das Chilehaus (klingt nach „Kirchgemeindehaus“, hat aber mit Kirche nichts zu tun, sondern wurde vom Erbauer aus Erinnerung an Südamerika so genannt); Stil: Backsteinexpressionismus!

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Mein Rundgang durch Hamburg führt mich wieder zum Hotel zurück, der «Superbude». Ein schöner Tag geht langsam zu Ende.

Morgen geht’s weiter Richtung Bremen.

Fakten: gefahrene Strecke: 44 km, Fahrzeit: 2 Std. 58 Min.
Übernachtung im Hotel Superbude in Hamburg St. Georg

D10

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