Day 7: Merseburg-Magdeburg (Zürich-Hamburg-Zürich-Tour)

 

Ein bisschen später als sonst, nämlich um 6.30 Uhr verlasse ich Merseburg, von dem ich wenig gesehen habe. Bald schon komme ich nach Halle, eine weitläufige Stadt, die nicht mehr enden will. Die Strasse sind wie ausgestorben – was ist denn hier los (oder eben nicht los)? So macht alles einen ziemlich trostlosen Eindruck; die löchrigen Strassen und verfallenen Häuser, an denen ich vorbeifahre verstärken diesen Eindruck.

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Irgendwann dämmert es mir: Heute ist ja Samstag und in dieser Herrgottsfrühe schlafen die Leute noch – Rätsel gelöst. Leider fahre ich nicht durchs Zentrum, so kann ich nicht beurteilen, ob diese Stadt auch noch Schönes zu bieten hat. (Komoot sucht immer den kürzesten Weg, was manchmal schade ist, denn die Chance ist so gross, dass man z.B. an einem historischen Stadtkern vorbeifährt.)

Wie dem auch sei, mich gelüstet in diesem Moment eher nach Kaffee und feinen Brötchen als nach historischen Stadtkernen. Ich bin glücklich in einem Aussenbezirk einen Bäcker mit Cafe zu finden; so mache ich einen Halt und nehme mein Frühstück ein.

Bald schon wieder brech ich auf. Es wird grau und gräuer (grauer?) und zu meinem Missfallen beginnt es zu regnen. Schnell die Regenkleidung montiert – ich hab darin nun ziemlich Übung – und weiter geht’s.

Es ist ziemlich trist in strömendem Regen unterwegs zu sein und dazu noch den starken Wind im Gesicht zu haben. In dieser Situation kommt mir der erste Satz in den Sinn, den ich im Französischunterricht gelernt habe: „La rue est grise et triste“. Eigentlich ist hier aber der Himmel grau, also: „le ciel est gris et triste et il pleure“…

Immer mal wieder tauchen Windräder aus dem Grau auf, es sind wohl Hunderte, die ich im Verlaufe des Tages erblicke. Wieviel Strom die wohl produzieren bei diesem Wind?

Glücklicherweise hört es nach ca. 2 Stunden zu regnen auf, aber es bleibt grau und extrem windig. Da ich mehrheitlich nach Norden fahre und der Wind von Nordwest bläst, kämpfe ich den ganzen Tag gegen den Wind an – sehr unangenehm und kräfteraubend.

Wie schon am Tag zuvor bessern Kirschbäume meine Laune auf. Es ist unglaublich, wieviele Kirschbäume mit reifen Kirschen am Wegrand stehen – und, man darf sich bedienen… So habe ich eine willkommene Zwischenverpflegung und «mein Motor» wieder etwas Treibstoff.

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Auf was für Strassen ich fahre, interessiert vielleicht den Leser. Heute war wieder alles dabei: Hauptverkehrstrasse (Köthener Landstrasse) mit ziemlich viel Verkehr, Nebenstrassen mit wenig Verkehr, Fahrradwege in unterschiedlichsten Qualitäten, sehr holprige Feldwege und immer wieder Abschnitte mit Kopfsteinplaster (die Hölle). Die sind offenbar besonders beliebt hier in der ehemaligen DDR; zwar schön anzusehen, aber es ist sehr unbequem mit dem Velo darüber zu fahren; da wird einem – positiv ausgedrückt – der Hintern so ziemlich durchmassiert!

Ich versteh jetzt aufgrund eigener Erfahrung, wieso die sogenannten Pavé-Sektoren beim berühmten Radrennen Paris-Roubaix (in der Hölle des Norden) so unbeliebt sind.

Das Wetter hat sich inzwischen aufgehellt und blauer Himmel ist zu sehen. Nach Bernburg biege auf den Saale-Radweg ab und fahre nun auf dem schönsten Stück des heutigen Tages:

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Auf diesem Saale-Radweg fallen mir merkwürdig verlaufende parallel verlaufende Metall-Rohre auf: Was die wohl für einen Zweck haben? Und weshalb machen sie diesen merkwürdigen Bogen? Ich hab keine Ahnung!

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Dann plötzlich ein Problem: Ich sollte den Fluss oder einen Seitenarm davon mit der Fähre überqueren; diese liegt schön parat, aber ein Fährmann ist weit und breit nicht zu sehen. Auf einem Schild lese ich, dass die Fähre erst wieder in 2 Stunden den Betrieb aufnimmt. Dumm gelaufen!

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So fahre ich wieder mehr als 3 km zurück und nehme den Weg über eine Brücke, was mich mindestens ein halbe Stunde kostet. Dafür fahr ich nun durch ein interessantes Städtchen namens Calbe. Dieser Ort hat schon bessere Zeiten gesehen. Das sieht man an den vielen schmucken Häusern – daneben gibt’s aber auch viele leerstehende und halbverfallene Gebäuden – eine Mischung, die ich schon öfters angetroffen habe im ehemaligen Arbeiter- und Bauernstaat.

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Weiter geht’s Richtung Norden. Der Wind bläst mir inzwischen fast schon orkanartig ins Gesicht; ich komme kaum noch vorwärts. Wie willkommen sind da wieder Kirschbäume am Wegrand. Ich schlag mir den Bauch voll – so viele Kirschen wie heute habe ich noch nie verdrückt in meinem Leben!

Nach langem Kampf gegen den Wind komme ich endlich in Magdeburg an. Erstmals sehe ich nun die Elbe.

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Auf dem Elbe-Radweg werde ich nun die nächsten Tage bis nach Hamburg weiter fahren. Ich hoffe einfach, dass sich ab morgen die Windrichtung ändert…

In Magdeburg übernachte ich im B&B-Hotel. Mein Zimmer ist apart, mit Fernseher in HD-Qualität (heute spielt Deutschland, das lasse ich mir nicht entgehen), einfach und zweckmässig eingerichtet und sehr preiswert. So sollte es immer sein!

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Fakten: Gefahrene Strecke 115 km, Fahrdauer 8 Std. 1 Min.
Übernachtung im B&B-Hotel Magdeburg (sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis!)

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