Day 6: Arnstadt-Merseburg (Zürich-Hamburg-Zürich-Tour)

Ein ereignisreicher Tag beginnt um 05.15. Das ist meine Standardtagwache; so kann ich um 06.00 losfahren. Es wird aber heute 06.10 Uhr, bis ich das schmucke Kleinstädtchen Arnstadt verlasse.

Schon bald erreiche ich die Landeshauptstadt Erfurt, eine ziemlich grosse Stadt mit viel Verkehr – ich bin froh, als ich sie wieder verlasse. Weiter geht’s Richtung Weimar, der Tag ist grau, kalt und windig. Im Gegensatz zum Vortag weht nun der Wind wenigsten meist von hinten – Glück gehabt.

Nach einem ruppigen Anstieg auf Kopfsteinplaster entdecke ich einen wilden Kirschbaum mit kleinen schön gereiften Kirschen – die lasse ich mir nicht entgehen und mache eine kleine Pause.

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Kurz vor Weimar fallen die ersten Regentropfen; ich bin froh, dass ich bald dort bin und mich in einem Cafe namens Wiener Feinbäckerei aufwärmen kann.  Zum Kaffee esse ich einen französischen Apfelkuchen, er ist köstlich. Ich könnte locker einen zweiten verdrücken, aber ich beherrsche mich.

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Eine Frau, die sieht, dass ich mein Frühstück fotografiere, sagt verwundert zu ihrer Mutter: «Schau, der fotografiert seinen Kuchen.»

Da es immer noch regnet, muss ich für die Weiterfahrt wohl oder übel meine Regenklamotten überziehen. Nach der Platzregenerfahrung meines ersten Tages weiss ich nun, dass ich die Regenhose über die Schuhschütze stülpen muss – damit das Regenwasser nicht in die Schuhe läuft.

Ich fahre nun durch den Regen, was eigentlich gar nicht so schlimm ist, wenn man dagegen gut ausgerüstet ist. Unterwegs fahre ich an vielen Kirschbäumen mit reifen, grossen Kirschen vorbei.

Bei einem Baum gelingt es mir, einen Ast herunterzuziehen und an wunderbare Kirschen zu gelangen; ich renk mir dabei fast die Arme aus. Das wäre gar nicht nötig gewesen, merke ich 500m weiter: Ein durch den Wind heruntergeschlagener Ast mit vielen Kirschen liegt direkt am Wegrand – ich brauch nicht mal vom Velo zu steigen, um sie zu naschen.

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Weiter geht’s – unter leichtem Regen – meist der Saale entlang. Ich durchfahre eine Kleinstadt mit dem merkwürdigen Namen Apolda.

Wenig später kann ich meine Fahrt nicht fortsetzen: Ein Fahrverbotsschild und eine rigorose Absperrung lassen nichts Gutes erahnen.

Ich inspiziere die Lage und muss erkennen, dass eine Weiterfahrt auf dem Fahrradweg nicht möglich ist; eine Brücke wird neu gebaut und ein Überqueren des Flüsschen somit ausgeschlossen. Ein wenig verärgert laufe ich zum meinem Fahrrad zurück und sehe dabei bei der Fahrverbotstafel einen nächsten ratlosen Velofahrer, der plötzlich verwundert ruft: «Das ist ja der Schweizer». Jetzt merke auch ich zu meiner grossen Überraschung, dass die junge Frau vor mir steht, die ich vor zweit Tagen schon mal getroffen hatte und mit der ich ein lustiges Velorennen bestritt. Was für ein riesen Zufall – wir sind beide perplex!

 

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Nun setzen wir die Fahrt gemeinsam fort. Loreta, so heisst die junge Frau, ist auf dem Weg nach Berlin. Sie ist ausgebildete Krankenschwester und Litauerin (lebt aber schon lange in Deutschland) hat soeben auf dem Zweitweg das Abitur geschrieben (ohne das Resultat zu wissen) und hat vor, Life Science zu studieren. (kann mir immer noch nicht genau vorstellen, was das ist, obwohl sie versucht hat, es mir zu erklären)

Unterwegs machen wir einen kleinen Abstecher in die schöne Stadt Naumburg, die ein wenig abseits des Velowegs liegt. Wir sind hungrig – es ist schon 14 Uhr – und steuern deshalb ein Restaurant an. Dort verdrücke ich einen Fitnessteller und Loreta eine Rösti. Es gibt in diesem Restaurant viele verschieden Arten von Röstis (ist hier übrigens maskulin: der Rösti), ich bin erstaunt, da ich bisher Rösti als Schweizer Nationalgericht kannte und absolut nicht hier in der ehemaligen DDR erwartete…

Bei wieder schönem Wetter fahren wir weiter und geniessen die schönen Aussichten, die sich uns bieten.

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Dann, Auf einer Abfahrt auf schmalem Pfade schüttelt es mich über eine Wurzel: Es gibt einen lauten Knall – es ist ein Platten! Dazu noch auf dem Hinterrad. Das ist der erste Platten während meinen Velotouren, seitdem ich wieder velofahre. Ich habe also keine Erfahrung im Schlauchwechseln. Zum guten Glück ist Loreta da, sie sagt mir, wie es am besten geht und hilft tatkräftig mit, den Schaden zu beheben. Mal wieder Glück gehabt!

Wenig später müssen wir uns verabschieden: ich bin in Merseburg angekommen und Loreta fährt weiter zu einem Freund nach Halle. Wer weiss, vielleicht treffen wir uns ja nochmal…

Kurz vor dem Ziel entdecke ich ein Fahrradgeschäft; schnell hin, ich brauch ja wieder einen Ersatzschlauch. Der Besitzer gibt mir noch Tipps, (z.B. Pneus auf 4 bar pumpen. Er meint auch, dass der Schlauch geplatzt sei, weil er mit zu wenig Druck gepumpt war: Also, ich habe wieder was gelernt!)

Um 18.30, viel später als geplant, treffe ich im Hotel ein. Dort wasche ich meine schmutzige Wäsche, denn die frische geht langsam zur Neige. Ich befürchte sie wird nicht trocken bis morgen.

Dann ist ja heute noch das 2. Fussballspiel der Schweizer Nationalmannschaft; gerade rechtzeitig bin ich bereit für dieses Spiel, ich nehm ein Bier u. Nüsschen aus der Minibar und esse zwei Brötchen dazu; das ist heute mein Nachtessen.

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Die Schweiz gewinnt; der lange, erlebnisreiche Tag endet perfekt – halt, nein ich muss ja noch meinen Blog schreiben…

Fakten: Gefahrene Strecke 142 km (Umwege!) 1020m aufw. 1200 m abw., Fahrzeit 9 Std.
Übernachtung im Radisson Blu Hotel, Halle-Merseburg

 

D6

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