Day 5: Bamberg-Arnstadt (Zürich-Hamburg-Zürich-Tour)

Punkt 05.25 fahr ich von Bamberg los. Die Nacht war kurz, da ich mich am Vorabend noch mit der Detailplanung der 2. Woche beschäftigte und ausserdem in der Strasse vor meinem Hotel bis weit in die Nacht hinein grosser Lärm und Partystimmung herrschte.

Jetzt, frühmorgens, ist es ruhig, nur die vielen leeren Bierflaschen und Scherben zeugen von den nächtlichen Trinkgelagen.

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Wenig später bin ich wieder in der Natur. Auf schönen Velowegen meist abseits stark befahrener Strassen geht’s in Richtung Coburg. In dieser grösseren Stadt, die ich nach knapp 50 Km erreiche, gibt’s endlich Frühstück. Erfreulich, dass es hier Joghurt mit frischen Früchten und Knuspermüesli gibt; da hellt sich doch meine Laune noch mehr auf!

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Weiter geht’s Richtung Thüringer Wald. Die Strasse steigt meist an; es wird heiss und die Sonne brennt auf meine schon jetzt krebsroten Arme.

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Nach einigem Auf und Ab gelange ich an den Oberlauf der Werra; die Naturstrasse neben diesem lustig dahinplätschernden Bächlein soll mich an dessen Quelle führen. Kilometerlang geht es aufwärts, wenn’s zu steil wird, steig ich ab und schieb das Velo. Am wunderschönen Werra-Teich mach ich eine kleine Pause. Es ist menschenleer hier; es gibt mir das Gefühl alleine auf dieser Welt zu sein – da hör ich plötzlich Stimmen und sehe ein älteres Ehepaar mit E-Bikes daher kommen. Sie halten an und bitten mich, eine Foto zu machen von Ihnen beiden, was ich gerne tue. Im Gegenzug macht der Herr dann eines von mir:

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Wenn ich mich so betrachte, kommt mir der Begriff MAMIL in den Sinn, den ich vor kurzem aufschnappte und der irgendwie auch zu mir passt: middle aged man in lycra (Mann in mittlerem Alter, der sich in zu enge Kunststoffkleidung zwängt, mit dem Ziel zu trainieren und damit abzunehmen – leider oft nicht von Erfolg gekrönt!).

Es geht weiter aufwärts bis ich endlich die Quelle der Werra erreiche, menschenleer und dazu noch eine Baustelle… ich fahr weiter und gelange endlich wieder in einen Ort: Masserberg. Scheint ein Kurort zu sein, ein wenig heruntergekommen zwar, aber hier sehe ich doch immerhin mal wieder ein paar Leute. In einem Cafe, das (vielleicht) bessere Zeiten gesehen hat, trinke ich eine wässrige heisse Schokolade und esse einen Thüringer Streuselkuchen (eine wahre Kalorienbombe). Der Wirt ist sehr wortkarg, schade.

Inzwischen ist es ziemlich grau und kalt geworden und ein starker Wind ist aufgekommen. Ein mühsames Auf und Ab beginnt, begleitet von starken Windböen, die mich manchmal fast von der Strasse blasen.IMG_3976

Deshalb bin ich froh, als endlich die Abfahrt von dieser unwirtlichen Thüringer-Wald-Landschaft beginnt. Zu guter Letzt beginnt es nun aber auch noch zu regnen. Natürlich warte ich viel zu lange, bis ich die Regenkleider überziehe und bin deshalb schon halb durchnässt, als ich mich endlich dazu entscheide. Und – das scheint ein Gesetz zu sein – hört es wenig später auch wieder zu regnen auf; und bald schon scheint auch wieder die Sonne.

Dafür kämpfe ich nun gegen den immer stärker werdenden Wind und komme kaum noch vorwärts. Dazu führt mich Komoot über Strassen, die beschönigend Single-Trail genannt werden (d.h. mit meinem Velo kaum befahrbar.)

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Schliesslich erreiche ich doch – nach sehr langer, anstrengender und abwechslungsreicher Fahrt mein Ziel: Arnstadt. In dieser Stadt hat der grosse J.S. Bach kurze Zeit in jungen Jahren gewirkt.

Nach kurzem Ausruhen im Hotel mache ich mich deshalb auf, seine Statue aufzusuchen. Die Stadt ist menschenleer, niemand da, der mich zusammen mit dem grossen Meister ablichten könnte. So mache ich halt ein Selfie, während ich seine Hand halte. Ich bin fast ein wenig ergriffen, habe ich doch manche Stunde mit seinen Werken verbracht, sei’s auf Geige, Klavier, Orgel oder auch als Chorsänger u. Dirigent.

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PS: Bach sitzt hier auf dem Orgelbänklein (deshalb die ein bisschen merkwürdig anmutende Pose)

Zufrieden schlendere ich in das Hotel zurück, wo ich mir eine Suppe und einen Fitnessteller gönne und daneben diesen Blogeintrag schreibe…

Fakten: Strecke 141 km, rauf: 1570 m, runter 1540 m, Fahrzeit: 10 Std. 8 Min.
Übernachtung im Hotel Goldene Henne, Arnstadt

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